Bald startet das neue Jahrzehnt und bringt zahlreiche digitale Innovationen sowie frische E-Commerce-Trends mit sich. Diese sollten insbesondere Online-Händler und -Marketer nicht verschlafen, sondern rechtzeitig auf dem Schirm haben – im doppelten Sinne. Während ältere Studien schon auf die Trends im Handel 2025 blicken lassen, lassen wir es etwas langsamer angehen und stellen Euch die aktuell relevantesten Trends im E-Business für das kommende Jahr vor. Fangen wir an!

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1. Macht’s wie Sephora! – AR & VR zur Produktpräsentation

Ganz oben auf der Trendliste steht ein anstehender Paradigmenwechsel hin zu Augmented und Virtual Reality (AR/VR) gestützten Kaufprozessen. Glaubt man einer aktuellen Gartner-Studie, so werden bis zum Jahresbeginn 100 Millionen Shopper digital wie auch analog ihre Produkte mithilfe von AR bestellen und einkaufen. Spannend hierbei ist, dass die AR-Technologie nicht nur eine interaktive Produktpräsentation ermöglicht, sondern Waren sogar direkt nach Belieben in ihre zukünftige Umgebung integriert werden können.

Neben IKEA mit seiner App IKEA Place ist auch die französische Kosmetikkette Sephora ein klarer Vorreiter in Sachen AR-Commerce. Denn das Beauty-Unternehmen bietet potenziellen Käufern bereits jetzt die Möglichkeit, diverse, realitätsgetreue Make-Up-Produkte am eigenen Gesicht virtuell auszutesten. Egal, ob Lippenstift, Lidschatten oder Foundation – mit der unternehmenseigenen App Sephora Virtual Artist können Kundinnen ganz unterschiedliche Looks und Make-Up-Trends in 3D ausprobieren, ohne ihr Schlafzimmer verlassen oder viel Geld in die Suche nach den passenden Produkten investieren zu müssen. So profitieren experimentierfreudige Make-Up-Fans von exakten Vorstellungen der Waren und Händler von schnelleren Kaufentscheidungen sowie sinkenden Retouren. Außerdem löst diese realistische Darstellung und beinahe haptische Anwendung der Produkte vor allem bei Kunden ein wahres Einkaufserlebnis aus.

Quelle: sephoravirtualartist.com

Neben detaillierten Produktbildern mit Zoomfunktion und 3D-Ansichten in Online-Shops sollen in Zukunft auch VR- und AR-Lösungen die Verbraucher visuell von der Produktqualität überzeugen.

Passend dazu besagen Studienergebnisse von PWC, dass der deutsche Virtual-Reality-Markt schon längst über seine Nische hinausgewachsen ist und der dort erwirtschaftete Umsatz rasant ansteigt: Durch einen Marktzuwachs von 38% wurden in Deutschland durch VR-Produkte bereits im vergangenen Jahr 116 Millionen Euro erwirtschaftet. Außerdem war nach einer Studie von Next Media Hamburg 2018 bereits jeder dritte Deutsche einmal in Besitz einer Virtual-Reality-Brille.

Fazit: Eine Investition in VR- und AR-gestütztes Marketing wird sich sicher auszahlen.

2. Mit 5G zum Internet der Dinge (IoT)

Laut dem World Economic Forum stehen wir bereits jetzt am Rande der Vierten Industriellen Revolution, die mit bedeutenden Entwicklungen der Internet- und Mobilfunktechnologie einhergehen wird. Dabei spielt die Einführung der 5G-Technologie eine maßgebliche Rolle und wird den E-Commerce, wie wir ihn kennen, umkrempeln. Als 5G wird die fünfte Generation des Mobilfunkstandards bezeichnet, der auf dem bestehenden Standard „Long Term Evolution“ aufbaut und zukünftig das schnellste Netz weltweit werden soll. Aktuell planen viele Mobilfunkbetreiber in den kommenden Standard zu investieren und bereits jetzt den Übergang zur 5G-Technik vorzubereiten. Die größten Smartphone-Hersteller haben bereits neue Modelle vorgestellt, die mit dem schnellen mobilen Internet kompatibel sind. Im Gegensatz zu Japan oder den USA steckt Deutschlands Infrastruktur jedoch noch tief in der Testphase des 5G-Aufbaus.

Entscheidend ist dieser Zukunftstrend insbesondere für E-Commerce-Betreiber, da die Anzahl von mobilen Usern, die online shoppen, weiterhin ansteigt.  So kann der Wachstum des Mobile Commerce in Deutschland daran verdeutlicht werden, dass schon 2018 38% aller Online-Einkäufe von mobilen Endgeräten aus getätigt wurden. Mit der 5G-Entwicklung wird sich das favorisierte Einkaufserlebnis der Konsumenten immer mehr auf deren Smart Devices verlagern. Diesen Trend zu unterschätzen kann demnach fatale Folgen für das Onlinegeschäft haben.

Zudem wird der neue mobile Internetstandard als Grundvoraussetzung für die breitflächige Umsetzung vom Internet der Dinge (IoT) betrachtet. Letzteres umfasst zusammenarbeitende Informations- und Kommunikationstechnologien, durch die sich im Rahmen einer globalen Infrastruktur physische und virtuelle Gegenstände miteinander vernetzen und kommunizieren. Das soll langfristig durch 5G ermöglichen werden, indem große Datenmengen auch unterwegs direkt und verzögerungsfrei übertragen werden können. Für E-Commerce-Betreiber lohnen sich so aufwändige Visualisierungen, Interaktive AR-/VR-Tools sowie HD-Videos zukünftig auch für das Mobile Marketing.

Fazit: Obwohl die kommerzielle Einführung bereits in diesem Jahr ansteht, haben Online-Händler in Deutschland noch etwas Zeit, sich auf die flächendeckende Installation des ultraschnellen Mobilfunks vorzubereiten. In den kommenden Jahren müssen zunächst einmal tausende Basisstationen von den Netzbetreibern eingerichtet werden. Sich schon jetzt auf das mobile Internet der Zukunft einzustellen, wird Retailern dafür einen deutlichen Vorteil auf dem deutschen wie auch internationalen Markt sichern.

3. Mehr als Alexa und Siri – Revolution des Online-Handels durch Voice Commerce

Sprachassistenten wie Amazon Echo (Alexa), Google Assistant oder Apple‘s Siri sorgen seit einigen Jahren für Diskussionen, wenn es zum Thema Datenschutz und Privatsphäre kommt. Welche Auswirkungen Smart Speaker und Co. auf den E-Commerce haben (werden), wird dagegen seltener thematisiert. Unter Voice Commerce oder vCommerce versteht man die Integration der Sprachsuche und sprachgesteuerten Alltaghelfer in die gezielte Produktsuche und den Online-Einkauf.

Eine aktuelle Microsoft-Studie belegt, dass die Akzeptanz für sprachgesteuerte Einkäufe weiterhin steigt und bereits 34,9 Prozent der Befragten mindestens eine Bestellung per Sprachassistenten durchgeführt haben, die sie als positiv bewerten würden. Dazu kommt, dass ganze 52 Prozent der Teilnehmer Sprachbefehle im Alltag nutzen, um einen Smart Speaker zu steuern. Eine Studie von ComsCore geht sogar noch weiter und gibt an, dass bis 2020 jede zweite Suchabfrage eine Sprachsuche sein wird.

Interessant wird es auch, wenn man sich ansieht, in welchen Situationen im Durchschnitt von Sprachbefehlen Nutze gemacht wird: Wie zu erwarten führen hier das heimische Wohnzimmer und das Büro. Überraschender Weise gelten aber auch das Kino, das Fitnessstudio sowie öffentliche Toiletten als gängige Einsatzorte.

Für Konsumenten ist die Voice Search vor allem deshalb attraktiv, da in kurzer Zeit ein für ihn individuell passendes Ergebnis ausgegeben wird und weniger Mühe in die Recherche oder Sichtung von Suchlisten gesteckt werden muss.

Fazit: Festzuhalten ist, dass vCommerce bereits jetzt schon auf der Überholspur im E-Business ist: Giganten wie Lieferando und Amazon setzen aktiv auf die Power von Sprachassistenten und ziehen damit viele ihrer Kollegen in ihren Bann. Damit ist künftig mit einer steigenden Anwenderzahl sowie der kontinuierlichen Optimierung der Sprachassistenten zu rechnen. So bietet das kommende Jahr Onlinehändlern, die bislang keine Voice Search integriert haben, eine gute Möglichkeit, um ihre Shops durch smarte Sprachsuche zu erweitern.

4. Social Shopping als Zukunft des E-Commerce

Ein Großteil des Alltags von Generation Z spielt sich auf Sozialen Netzwerken ab: Instagram, Facebook, WhatsApp und YouTube schreiben 2019 die größten aktiven Nutzerzahlen und begleiten bis zu 73% der Deutschen wie das Smartphone in der Hosentasche. Während Bestellungen sowie Zahlungen via Social Media Plattformen hierzulande aus Sicherheitssorgen vermehrt Skepsis entgegengebracht wird, sind sie etwa in China schon längst selbstverständlich geworden. Unter Social Shopping, oder auch Social Commerce, wird eine spezielle Form des E-Commerce verstanden, welche auf der aktiven Mitgestaltung und der persönlichen Beziehung der Nutzer untereinander basiert.

Neben den oben genannten üblichen Verdächtigen sind auch Pinterest, Snapchat oder Mydealz prominente Beispiele für Social-Commerce-Portale, welche ganz unterschiedliche Vertriebsstrategien verfolgen. So profitiert Pinterest etwa von seiner visuellen Suche, während Snapchat mit seiner Funktion „Shoppable AR“ eine Kombination aus Augmented Reality und Shopping für sich nutzt. Wichtigstes Stichwort ist hierbei das direkte und bequeme Shopping-Erlebnis. Die angezeigten Produktvorschläge sollen untergeordneter Teil der meist bildbasierten Unterhaltung auf Sozialen Netzwerken bleiben und dadurch zu Spontan- und Direkteinkäufen aus eigenem Interesse verleiten. Im Mittelpunkt steht hierbei die Kundenbeteiligung am Design, Verkauf oder Marketing durch authentischen User Generated Content. Das heißt beispielsweise, dass andere Konsumenten etwa gekaufte Produkte bewerten oder empfehlen sowie Erfahrungsberichte teilen.

Insbesondere für die heranwachsende Generation hat sich im Rahmen des Social Shopping Paradigmas das Berufsbild des Influencers entwickelt, der dank seiner Reichweite und starken Präsenz auf Sozialen Netzwerken ausgewählte Produkte einflussreich sowie interaktiv vermarkten kann. Dieser E-Commerce-Trend umfasst nicht nur die Verschiebung vom klassischen Online-Shop hin zu Einkäufen über Social-Media-Kanäle und Influencer Marketing, sondern auch Funktionen wie den Shop Now Button. Mit diesem können Nutzer nämlich passend zum schnelllebigen News-Feed angezeigte Produkte mit nur einem Klick erwerben. Eine einnehmende Rolle spielen hier insbesondere der Kundennutzen, die Customer Experience und die Bequemlichkeit einer friktionslosen und voll integrierten Zahlungsmöglichkeit.

Fazit: Abnehmer für ein solches Next-Level-Social-Shopping finden sich jedoch nicht nur in China, sondern auch die junge Generation Z wünscht sich bereits Social Media-Plattformen mit integrierten Shopping- und Bezahlmöglichkeiten. Social Commerce und dessen Möglichkeiten werden im Laufe der voranschreitenden Globalisierung weiterhin wachsen. Das macht es umso spannender, wie dieser Zukunftstrend das digitale Kaufverhalten verändern wird. Für das Marketing und Sales der Zukunft bieten also soziale Plattformen vielversprechende und innovative Möglichkeiten, die eigene E-Commerce-Präsenz zu optimieren.

5. Die ultimative All-in-One-Versandlogistik

Ein weiterer Zug in Richtung Zukunft, auf den Unternehmen aufspringen sollten, bevor es zu spät ist: Die Revolution des Versand- und Transportmanagement. Es gibt zahlreiche Herausforderungen und steigende Kundenansprüche, die eine als effizient empfundene Logistik von E-Commerce-Betreibern maßgeblich erschweren. Amazon legt auch in diesem Punkt die Latte sehr hoch und bietet etwa mit „Prime now“ eine mögliche Schnelllieferung von lokalen Händlern innerhalb nur einer Stunde nach Bestelleingang. Langfristig will der Konzern die Stellung eines Predictive Retailer einnehmen und so aufgrund generierter Userprofile detailliert bestimmen, mit welchen Produkten, zu welchem Zeitpunkt und in welchem zeitlichen Abstand Kunden ihre Bestellungen erneut tätigen wollen.

Zu der klassischen Just-in-time-Lieferung, gesellt sich also auch der Just-in-sequence-Versand, der dem Kunden die stressige Logistik des Alltags erleichtern soll. Online-Händlern steht zukünftig eine wachsende Entmaterialisierung und Automatisierung der Lieferungslogistik bevor, da herkömmliche Paketdienste dem steigenden Paketvolumen nicht mehr gerecht werden können. Bei deutschen Kunden sind traditionelle Versandoptionen jedoch noch immer beliebt und dabei zählt: Je schneller und bequemer, desto besser.

Im Logistiksektor muss also ein klares Umdenken stattfinden, um weiterhin Kundenzufriedenheit und somit auch Umsatzstärke zu garantieren. Einen Anfang macht beispielsweise der digitale Anbieter Sendcloud, welcher eine All-in-One Versandsoftware für Online-Shops entwickelt hat. Mit dieser ist es Retailern möglich, den Versandprozess umfassend mit nur wenigen Klicks zu automatisieren. Die Macher des Tools selbst werben sogar mit einer Integrationszeit von unter zwei Minuten. Mit Sendcloud ist es möglich, nach Anbindung des eigenen Online-Shops sämtliche Logistikschritte zu steuern. Diese reichen vom Importieren der Bestellungen, über den Etikettendruck, das E-Mail-Marketing bis hin zur automatischen Sendungsverfolgung und zur Organisation von Retouren.

Fazit: Um sich als E-Commerce-Betreiber an bevorstehende Marktentwicklungen anzupassen, ist es also mehr als sinnvoll, seine Lieferkette und Versandlogistik etwa mit einem intuitiven Dashboard oder All-in-One Versandtool zu optimieren. Alternative Versandoptionen sowie Verpackungstechnologien erleben im kommenden Jahr ein zusätzliches Hoch – Abo-Services, einscannbare Verpackungen oder Drohnen-Lieferanten sind nur einige Beispiele dafür.

6. Fazit

Eines sollte klar geworden sein: Die Digitalisierung und kommenden E-Commerce-Trends werden die nahe Zukunft des Online-Shoppings und Einzelhandels maßgeblich formen. Schon jetzt ist es in den USA durch Scan & Go-Technologien möglich, sich bequem in Lebensmittelgeschäften einzudecken und ganz automatisch bei Verlassen des Ladens zu bezahlen. Was für weitere innovative Einkaufserlebnisse und -technologien die Zukunft für uns bereithält, bleibt im kommenden Jahr spannend zu verfolgen.